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Wie sozial sind Social Walks?



Hunde sind soziale Tiere. Das bestreitet wohl niemand. Wenn wir Menschen unseren Hunden soziale Kontakte sowohl zu Artgenossen als auch zu anderen Zweibeinern verwehren, kann das bei Hunden zu Verhaltensproblemen führen. Das mag einer der Gründe sein, weshalb die sogenannten „Social Walks“ seit einiger Zeit wie Schwammerln hervorsprießen. Hier ist ein Trend entstanden, der Hunden bei ihrer „Sozialisierung“ helfen soll. Doch wie sozial sind solche Social Walks eigentlich und sind sie wirklich für jeden Hund gut?


Sozialisierung! Dieses Wort findet man in allen Büchern über Welpen und Hundeerziehung. Doch manchmal klingt das schon beinahe wie eine Drohung: „Wenn Sie Ihren Hund nicht bis zur 16. Woche sozialisiert haben, ist es zu spät!“. Da werden dann Sozialisierungs-Checklisten angeboten – ganz praktisch zum Downloaden – wo man nur noch abhaken muss, was man schon alles wann und wo erledigt hat. Die Liste reicht von A wie Autos, B wie Bahnhof, Besen und Ballons über Pfannen und Töpfe, Plastiksackerln, die im Wind wehen, bis hin zu Obdachlosen. Da kommen schon mal 3 Seiten mit Dingen zusammen, die man in 6-7 Wochen erledigen müsste, nachdem der Welpe eingezogen ist. Klingt entspannt?


Hunde sind uns Menschen nicht unähnlich. Sie können von zu vielen Eindrücken in zu kurzer Zeit leicht überfordert werden – besonders Welpen. Wenn Welpen Dingen ausgesetzt sind, für die sie emotional noch nicht reif sind, dann erzeugt das Angst, Hilflosigkeit und Stress. Daher ist es wichtig, dass man Hunde – egal ob Welpen oder schon älter – in ihrem eigenen Tempo an neue Dinge herangehen lässt. Viele Hunde sind schnell und impulsiv, andere brauchen mehr Zeit, um zu lernen.


Was hat das Ganze mit Social Walks zu tun? Hunde sollen die Möglichkeit haben, Kontakt zu anderen Hunden zu bekommen, und zwar regelmäßig. Wie beim Kennenlernen neuer Dinge, sollte auch das Kennenlernen neuer Hunde in deren eigenem Tempo passieren. Wenn ein Welpe einen anderen erwachsenen Hund kennen lernen darf und Zeit hat, dessen soziale Fähigkeiten zu beobachten und nachzuahmen, dann wird er höfliches Verhalten schneller lernen und später in Situationen mit mehreren Hunden selbstbewusst agieren können. Social Walks sind eine gute Gelegenheit für Welpen, andere Hunde kennen zu lernen, solange der Welpe nicht übefordert wird und ausreichend Zeit bekommt, sich mit einem Hund zu beschäftigen (nicht mit 5 verschiedenen Hunden auf der Hundewiese!). Da man bei Social Walks aber auch „walkt“ – also geht – muss die Bezugsperson des Welpen diesen immer wieder tragen, weil Welpen nicht zu lange gehen können.


Auch für schlecht sozialisierte erwachsene Hunde können Social Walks eine Bereicherung sein. Wiederum sollte die Gruppe aber nur sehr klein sein und maximal 4 Hunde umfassen, sodass jeder Hund ausreichend Zeit hat, die anderen Hunde zu beobachten und kennen zu lernen. Dabei muss es gar nicht zu einem Beschnuppern oder zu körperlichem Kontakt kommen, auch ein Spaziergang mit viel Abstand wird als positiv abgespeichert, solange die Hunde ruhig bleiben und schnüffeln können. So können sie die gegenseitigen Gerüche aufnehmen und sich kennen lernen.


Ein wichtiger Faktor bei Social Walks ist die Regelmäßigkeit. Wenn man eine nette kleine Hund-Mensch-Gruppe gefunden hat, sollten diese Walks regelmäßig stattfinden, zumindest 1x pro Woche. Die Umgebung sollte weitläufig sein, damit man leicht ausweichen kann, falls nötig. Beim Social Walk selbst sollte man langsam gehen und den Hunden genug Zeit lassen zu schnuppern. Besonders wenn kleine Hunde dabei sind, ist darauf zu achten, dass diese Hunde nicht immer im Laufschritt gehen müssen, weil die Menschen zu schnell gehen. Die Hunde tragen ein gut sitzendes Brustgeschirr und sind an einer 5-Meter-Leine angehängt. Die Menschen sollen ihre Hunde ruhig beobachten und sie in Ruhe lassen, Kommandos sind fehl am Platz. Auch Futterbelohnungen sind nicht notwendig. Wenn man einen futterorientierten Hund hat, wird dieser dadurch zu sehr abgelenkt und nimmt dann eventuell gar keinen Kontakt mit den anderen Hunden auf. Doch das Ziel des Social Walks ist es, dass Hunde Gelegenheit haben, mit anderen Hunden soziale Kontakte zu pflegen und Freundschaften zu schließen.


Gut geleitete Social Walks sind vielleicht die effektivste Aktivität, die du mit deinem Hund zusammen machen kannst, um ihn zu „sozialisieren“. Die Sozialisierungs-Checkliste kannst du dann in den Papierkorb werfen, wenn du mit deinem Vierbeiner regelmäßig an Social Walks teilnimmst, die immer wieder mal an anderen Orten stattfinden. Das kann mal eine Industriezone sein, mal ein Wald, dann ein leerer Schulhof und ein anderes Mal ein Stadtpark. Solange dein Hund anderen Hunden gegenüber Beschwichtigungssignale zeigt und die Signale der anderen Hunde respektiert, ist dieser Social Walk für ihn eine positive Lernerfahrung.


Social Walks sollten keine Trainingsspaziergänge im herkömmlichen Sinne werden, bei denen der Hund herumkommandiert wird, immer wieder Fuß gehen muss, oder gar Sitz, Bleib oder Platz üben muss. Außerdem sollten Social Walks auch nicht in Spielgruppen ausarten, da dies bei Hunden, die sich nicht gut kennen und keine stabile Freundschaft haben, leicht in Mobbing resultieren kann. Gib deinem Hund beim Social Walk so viele Freiheiten wie möglich, ohne die Sicherheit deines bzw. der anderen Hunde oder Menschen zu gefährden. Am Ende eines Social Walks sollten alle zufrieden nach Hause gehen.