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Welpen anschaffen: Was du wirklich wissen musst – Beratung vor dem Hundekauf

  • Autorenbild: Sarina Kriechbaum
    Sarina Kriechbaum
  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Von Mag. Sarina Kriechbaum-Young, Beraterin für Menschen mit Hund | Verhaltensberatung & Nasenarbeit | Seit 2012 in der Arbeit mit Hunden und ihren Halter:innen


Welpe Australian Shepherd liegt auf der Wiese und kaut im Welpenkurs
Wenn man sich einen Hütehund nimmt, sollte man vorher genau recherchieren, wozu dieser Hundetyp gezüchtet wurde, und ob die Eigenschaften, die diese Rasse mitbringt, für dich als Familie passend sind.

Ein Hund verändert dein Leben – das wissen die meisten. Aber wie sehr, und auf welche Art, das unterschätzen viele. Nicht aus böser Absicht, sondern weil das Bild vom Hund, das uns Social Media, Züchter:innen und Hochglanzbroschüren zeigen, oft mit der Realität wenig zu tun hat.

Dieser Artikel soll kein Spaßverderber sein. Im Gegenteil: Wer sich gut vorbereitet, hat deutlich mehr Freude am Leben mit Hund – und der Hund auch.

Ich erlebe es immer wieder in meiner Arbeit als Hundetrainerin: Menschen kommen zu mir, weil ihr Hund "Probleme macht". Und oft denke ich dabei: Hätten sie sich im Vorfeld besser informiert, wären viele dieser Probleme gar nicht erst entstanden. Der Hund wurde nicht gefragt. Er muss sich jetzt in einen Alltag einfügen, der nicht zu ihm passt – das ist für beide Seiten schwierig.

Damit dir das nicht passiert, findest du hier die wichtigsten Fragen und Überlegungen, die du dir stellen solltest, bevor du dir einen Welpen anschaffst.


Welpe Berner Sennenhund in der Welpenschule Pfotenspitzengefühl in Tobelbad bei Graz
Überlege dir vor der Anschaffung: "Passt der Hundetyp bzw. diese Hunderasse zu mir und meiner Familie?"

1. Ein großer Fehler beim Welpenkauf: Selbstüberschätzung

"Das schaff ich schon." Dieser Satz ist wohl der häufigste Fehler, den angehende Hundebesitzer:innen machen. Einen Welpen anschaffen klingt aufregend – und das ist es auch. Aber ein Welpe kommt nicht mit einer Bedienungsanleitung, egal wie viele Bücher du gelesen oder Videos geschaut hast.

Die entscheidenden Faktoren sind Zeit und Geduld. Welpen wechseln etwa alle 20 bis 30 Minuten zwischen Schlaf- und Aktivphasen. Sie brauchen rund um die Uhr Aufmerksamkeit, Orientierung und Begleitung – besonders in den ersten Wochen und Monaten. Stell dir ehrlich die Frage: Habe ich das wirklich?

Dazulernen, umdenken und Kompromisse eingehen zu können – das ist keine Schwäche, das ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Leben mit Hund.


2. Welche Hunderasse passt wirklich zu mir?

Das ist die wichtigste Frage bei der Anschaffung eines Hundes – und sie hat nichts damit zu tun, welche Rasse gerade im Trend liegt oder welchen Hund du schon immer schön gefunden hast.

Jeder Hund trägt seine Geschichte in sich: Genetik, Rasseanlage, bisherige Lernerfahrungen. Ein Welpe ist kein leeres Blatt Papier. Wofür wurde diese Rasse gezüchtet? Ein Border Collie braucht intensive geistige und körperliche Auslastung. Wer ihn in einer Stadtwohnung hält und gemütliche Abendspaziergänge erwartet, wird scheitern – nicht weil der Hund schlecht ist, sondern weil er in diesen Alltag schlicht nicht passt (Ausnahmen gibt es immer.)

Wenn du einen Familienhund suchst, mit dem du gemütlich spazieren gehst, dann möchtest du keinen Jagdhund oder Hütehund mit Arbeitseifer. Ein Hund soll dein Leben bereichern – nicht einschränken. Und du sollst dem Hund das bieten können, was er braucht.

Frag dich ehrlich:

•       Wie aktiv bin ich wirklich – nicht im besten Fall, sondern an einem normalen Alltag?

•       Lebe ich in der Stadt oder am Land, in einem Haus oder einer Wohnung?

•       Fahre ich oft weg oder reise ich viel?

•       Sind Kinder oder ältere Menschen in meinem Haushalt?

•       Bekomme ich regelmäßig Besuch?

Bin ich allein oder lebe ich mit Partner:in oder Familie zusammen?


Welpe bei Medical Training in der Welpenschule Pfotenspitzengefühl in Tobelbad bei Graz
Über Fellpflege und wie viel Zeit diese in Anspruch nimmt, machen sich Ersthundhalter:innen oft wenig Gedanken vor der Anschaffung eines Welpen.

3. Gesundheit geht vor – auch beim Hundekauf

Bitte unterstütze keine Zucht von Hunden mit extremen körperlichen Merkmalen. Qualzucht ist kein modischer Begriff – sie beschreibt echtes Tierleid: extrem kurze Schnauzen, übermäßig große oder kleine Augen, sehr lange Ohren, kurze Beine, langer Rücken, viele Hautfalten, krumme Nase. All das klingt manchmal "niedlich", ist aber mit ernsthaften Gesundheitsproblemen verbunden.

Du möchtest einen Hund, der gesund ist und ein gutes Leben führen kann. Ein seriöser Züchter oder eine seriöse Züchterin beantwortet deine Fragen gerne – und stellt dir selbst welche. Wer keinen Einblick gewährt, keine Gesundheitszertifikate vorweisen kann oder den Welpen ohne Mutter abgibt, ist keine gute Wahl.


4. Welpen kaufen: Züchter:in, Tierheim oder Pflegestelle?

Jede dieser Möglichkeiten hat ihre Berechtigung – und ihre Tücken.

Seriöse Züchter:in: Höre nicht nur auf das, was Züchter:innen über ihre Rasse sagen – sie reden sie naturgemäß gern schön. Sprich auch mit Halter:innen dieser Rasse: Was haben die wirklich erlebt? Was war einfach, was schwierig? Frag auch deine Tierärztin oder deinen Tierarzt – die kennen die gesundheitlichen Schwachstellen bestimmter Rassen sehr gut.

Tierheim: Lerne den Hund kennen, bevor er bei dir einzieht. Und bitte: Leg den Gedanken ab, der Hund müsste dir unendlich dankbar sein, weil du ihn "gerettet" hast. Das ist ein Mythos. Hunde aus dem Tierheim brauchen Zeit, Stabilität und Vertrauen – keine romantischen Erwartungen.

Pflegestelle: Eine oft unterschätzte Möglichkeit. Der Hund lebt dort eine Zeit lang im Alltag – mit Menschen und anderen Hunden. Die Pflegeperson kann dir genauere Auskunft geben als jedes Tierheim, weil sie den Hund wirklich kennt. Das ist ein echter Vorteil gegenüber einem Tierheim, wo die Tierpfleger:innen wechseln und man den Hund kaum wirklich kennenlernt.


5. Wo informieren vor dem Welpenkauf – und wo nicht?

Verlässliche Quellen:

•       Erfahrene Hundetrainer:innen – sie kennen die Realität, nicht die Hochglanzversion

•       Tierärzt:innen – besonders für gesundheitliche Fragen zu bestimmten Rassen

•       Halter:innen der Rasse – ehrliche Erfahrungsberichte, auch die schwierigen

•       Pflegestellen und seriöse Tierheime

•       Fundierte Fachartikel – solche, die wirklich etwas sagen, nicht 08/15-Texte, die immer dasselbe wiederholen

Was du vermeiden solltest:

Facebook-Gruppen oder Social-Media-Posts, in denen du fragst "Welche Hunderasse empfiehlt ihr mir?" – das ist reine Zeitverschwendung. Du bekommst dort unzählige Meinungen ohne Kontext, ohne Kenntnis deines Lebens, ohne Verantwortungsbewusstsein. Bilde dir deine eigene Meinung, auf Basis mehrerer glaubwürdiger Quellen.

 

6. Zeit und Geld: Die unterschätzten Faktoren bei der Hundehaltung

Ein Hund kostet Geld – und nicht wenig. Futter, Tierarztkosten, Impfungen, Zubehör, Training, Betreuung: All das summiert sich. Und alles wird teurer. Hast du finanzielle Reserven für Notfälle? Ein unerwarteter Tierarztbesuch kann schnell mehrere Hundert oder sogar Tausend Euro kosten.

Aber das Kostbarste, das ein Hund von dir braucht, ist deine Zeit. Nicht deine "freie" Zeit – deine verlässliche, täglich wiederkehrende Zeit. Was passiert, wenn du arbeitest? Hast du eine verlässliche Betreuung? Ein Hund, der täglich stundenlang allein ist, ohne ausreichend Beschäftigung und Sozialkontakt, leidet. Und dieses Leid zeigt er durch Verhalten, das dann schnell als "Problem" bezeichnet wird.

 

7. Welpen erziehen: Was wirklich möglich ist – und was nicht

"Ich will ihn von Anfang an richtig formen." Diesen Satz höre ich oft. Und ich verstehe ihn. Aber er birgt eine Gefahr: die Vorstellung, ein Hund sei ein unbeschriebenes Blatt, das du nach Belieben gestalten kannst.

Das stimmt nicht. Ein Welpe bringt Genetik mit, Rasseanlage, und ab der ersten Sekunde seines Lebens macht er Lernerfahrungen. Das bedeutet: Du kannst nicht alles kontrollieren. Und das sollst du auch nicht.

Was du kannst: eine stabile, liebevolle und klare Umgebung schaffen. Frühzeitig professionelle Unterstützung holen – nicht erst, wenn Probleme da sind. Und den Hund als das sehen, was er ist: ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, Emotionen und einer eigenen Persönlichkeit.

 

Frag dich also: Was kann ich einem Hund wirklich bieten?

Bevor du dich entscheidest, einen Welpen anzuschaffen, stell dir diese Fragen – und beantworte sie ehrlich:

•       Habe ich bis zu 8 Stunden täglich verlässlich Zeit für meinen Hund?

•       Habe ich eine stabile Betreuungslösung für Zeiten, in denen ich nicht da sein kann?

•       Habe ich finanzielle Reserven für Notfälle?

•       Passt die Rasse wirklich zu meinem Alltag – nicht zum Alltag, den ich mir wünsche?

•       Bin ich bereit, mich anzupassen, dazuzulernen und Kompromisse einzugehen?

•       Ist mir klar, dass ein Hund Bedürfnisse und Emotionen hat, denen ich gerecht werden muss?

Wenn du diese Fragen mit Überzeugung bejahen kannst – dann ist ein Hund genau das Richtige für dich. Und ich freue mich, dich dabei zu begleiten.

Wenn du noch unsicher bist: Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortungsbewusstsein. Hol dir Rat – bei Trainer:innen, Tierärzt:innen, bei Menschen, die mit dieser Rasse leben. Bevor du entscheidest.

 

Häufige Fragen vor der Welpen-Anschaffung (FAQ)

Wie lange braucht ein Welpe Betreuung am Tag?

Ein Welpe braucht in den ersten Wochen und Monaten ganztägige Aufmerksamkeit. Welpen wechseln alle 20 bis 30 Minuten zwischen Schlaf- und Aktivphasen – auch tagsüber. Ein Welpe sollte nicht alleine bleiben. Berufstätige sollten vorab eine zuverlässige Betreuungslösung organisieren.

Welche Hunderassen eignen sich für Ersthundebesitzer:innen?

Für Ersthundebesitzer:innen eignen sich Rassen, die prinzipiell sozial verträglich und nicht zu arbeitseifrig sind – zum Beispiel Golden Retriever, Labrador, Cavalier King Charles Spaniel oder Malteser. Eine professionelle Beratung durch eine Hundetrainerin oder einen Hundetrainer lohnt sich vor der Entscheidung.

Was kostet ein Hund im ersten Jahr?

Im ersten Jahr sollte man je nach Rasse, Größe und Region mit Kosten zwischen 2.000 und 5.000 Euro rechnen – oder mehr. Dazu zählen Anschaffungskosten, Erstausstattung, Impfungen, Tierarztbesuche, Futter, Zubehör, Haftpflichtversicherung und Welpenkurs. Finanzielle Reserven für unvorhergesehene Tierarztkosten sind unbedingt empfehlenswert.

Wie erkenne ich einen seriösen Hundezüchter?

Ein seriöser Züchter oder eine seriöse Züchterin lässt dich den Welpen bei der Mutter sehen, beantwortet alle deine Fragen geduldig, stellt dir selbst Fragen zu deinem Alltag, weist Gesundheitszertifikate vor und gibt den Welpen nicht vor der achten bis zehnten Lebenswoche ab. Wer den Welpen ohne Mutter, überstürzt oder besonders günstig anbietet, ist keine gute Wahl.

Wann sollte man sich keinen Hund anschaffen?

Wenn du wenig verlässliche Zeit hast, keine stabile Betreuung organisieren kannst, keine finanziellen Reserven für Notfälle besitzt, gerade in einer großen Lebensveränderung steckst (Umzug, neuer Job, Trennung) oder dir nicht sicher bist, ob die Rasse zu deinem Alltag passt – dann ist der Zeitpunkt noch nicht der richtige. Das ehrlich zu erkennen, ist kein Scheitern, sondern Verantwortung.

Ist ein Hund aus dem Tierheim eine gute Idee?

Ja – wenn du realistische Erwartungen mitbringst. Hunde aus dem Tierheim brauchen Zeit, Geduld und Stabilität - wie eigentlich alle Hunde. Sie sind nicht automatisch "dankbar", und ihre Vorgeschichte ist oft nicht vollständig bekannt. Besonders empfehlenswert: Hunde über Pflegestellen vermitteln lassen, da dort mehr über den individuellen Charakter bekannt ist.

Was ist der Unterschied zwischen Tierheim und Pflegestelle?

Im Tierheim leben Hunde meist in Zwingern, die Betreuung wechselt, und man kennt den Hund oft kaum. Bei einer Pflegestelle lebt der Hund dagegen im Alltag einer Familie – man kennt sein Verhalten, seine Eigenheiten, seine Verträglichkeit. Pflegestellen können deshalb viel genauere Auskunft geben und sind für Interessent:innen oft die bessere Wahl.

 

 

Du möchtest dich beraten lassen?

Wir bieten Einzelberatung vor der Welpenanschaffung, Welpen- und Junghundekurse, Online-Beratung und Social Walks. (www.hundeschulegraz.com)

Wir begleiten dich gerne von Anfang an – damit du und dein Hund einen guten Start haben.

Welpe in Hundeschule Pfotenspitzengefühl in Tobelbad bei Graz mit Hundetrainerin Sarina
Eine professionelle Beratung vor dem Welpenkauf zahlt sich immer aus.

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